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Wohndemo in Zürich Demonstranten kritisieren Pensionskassen wegen hoher Mieten

In Zürich haben Tausende für bezahlbaren Wohnraum demonstriert. Sie kritisieren auch Pensionskassen. Diese investieren in Wohnimmobilien und finanzieren damit Renten – auch von Mietern. Ein Dilemma.

An der Wohndemo in Zürich haben sich viele junge Menschen, aber auch Familien und Rentner versammelt. Die Organisatoren kritisierten im Vorfeld vor allem institutionelle Vermieter für steigende Mietpreise. Die Politik mache zu wenig dagegen und sei «eng mit der Immobilienwirtschaft verbunden».

Laut einer Studie gehören 44 Prozent der Mietwohnungen in der Schweiz Institutionellen. Das ist weit mehr als noch vor ein paar Jahren. Mit den Mieten verdienen sie Geld. Das müssen sie auch, sagt Lukas Müller Brunner, Direktor des Schweizerischen Pensionskassenverbands ASIP: «Pensionskassen sind gesetzlich verpflichtet, Versichertengelder anzulegen, und zwar so, dass sie für die eingegangenen Risiken eine entsprechende Rendite erhalten.»

Oft Kündigung, Sanierung und höhere Vermietung

Die Demonstrierenden kritisieren vor allem, dass oft allen Parteien in Häusern gekündigt werde, um die Gebäude zu sanieren und später viel teurer vermieten zu können. Das kritisiert auch Walter Angst vom Zürcher Mieterverband: «Bei der Festsetzung der neuen Mieten wird an die maximale Marktmiete herangegangen. Man schaut häufig auch auf durchmischte Wohnungsangebote, was die Rendite ebenfalls erhöht.»

Die hohen Mietzinsen würden die Leute aufschrecken. Denn sie wüssten, dass sie sich bei einer Kündigung am gleichen Ort eine Wohnung nicht mehr leisten könnten und wegziehen müssten. Es gebe auch gute Beispiele von Institutionellen, die langsam sanierten, sagt Angst. Aber es müssten dringend mehr werden.

«Sozialverträgliche Immobilieninvestition»

Das betont auch Müller Brunner vom Pensionskassenverband. Es liegt also in der Hand der einzelnen Kassen. Ganz grundsätzlich gibt er aber zu bedenken: «Die Pensionskassen investieren in Immobilien und bezahlen damit Renten. Ein noch sozialverträglicher oder noch sinnvollerer Zweck für Immobilieninvestitionen würde mir spontan nicht einfallen.» Damit meint Müller Brunner, dass die Renditen bei Mehrfamilienhäusern, die Pensionskassen gehören, eben nicht als Rendite bei Investoren landen, sondern direkt den Versicherten zugutekommen.

Menschenmenge bei der Wohndemo in städtischer Umgebung.
Legende: Mehrere Tausend Personen haben in Zürich für bezahlbaren Wohnraum demonstriert. SRF | Nora Meuli

Auch an der Wohndemo in Zürich sind viele Menschen in einer Pensionskasse versichert. Viele sehen das Dilemma der Pensionskassen und verstehen, dass Pensionskassen mit Mietwohnungen Geld verdienen müssen. «Aber es geht immer auch um ein gutes Verhältnis», sagt ein Wohndemo-Teilnehmer. Das gebe ihnen aber nicht das Recht, so hohe Mieten zu verlangen.

Das sieht auch Walter Angst vom Mieterverband so: «Selbstverständlich muss die Anlage der Pensionskasse einen Ertrag abwerfen. Sonst geht das ja nicht auf. Aber sie haben auch zu Zeiten, als die Mieten noch relativ stabil waren, gute Renditen erzielt.»

Die Frage ist also vor allem, wie hoch diese Renditen sein müssen. Und hier bleibt das Dilemma: Höhere Mieten heisst mehr Geld für die Pensionskassen und damit Geld für die Renten der Versicherten. Dieser Mechanismus ist zumindest mitverantwortlich für die steigenden Mieten.

Echo der Zeit, 5.4.2025, 18:00 Uhr ; 

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