An der Messe «Watches and Wonders» in Genf inszeniert sich die Uhrenindustrie mit viel Pomp. Gezeigt werden die neusten Kreationen, dies etwa auch in opulent ausgestatteten Plattformen mit Rennautos oder stilisierten Kathedralen.
Die Messe sei ein wichtiger Treffpunkt und soll die Branche beflügeln, sagt deren Direktor Matthieu Humair. Und das ist wichtig, denn der Uhrenmarkt steht zunehmend unter Druck. Dies nicht zuletzt wegen der beiden wichtigen Exportmärkte China und USA.
Für viele Uhren-Manufakturen war der chinesische Markt über Jahre ein wichtiger Zielmarkt. Doch dort sinken die Verkäufe markant. In den USA wiederum dürften bald hohe Zölle anfallen, nachdem US-Präsident Donald Trump diese angekündigt hat.
Vorbereitungen auf US-Zölle
Das kleine Schaffhauser Uhrenhaus «H. Moser» setzt je knapp ein Drittel seiner jährlich rund 3500 Uhren in Asien, den USA und Europa ab. Der US-Markt sei derzeit wegen der Zölle schwer einzuschätzen, sagt Inhaber und Geschäftsführer Edouard Meylan. Entsprechend bereitet er sich vor.
In den USA habe sein Unternehmen Standorte, die aktuell nur Serviceaufgaben erfüllen würden. Sie könnten in Zukunft auch die Produktion der Uhren übernehmen, so Meylan. «Wir könnten Teile dorthin schicken und die Uhren dann dort montieren.»
Für dieses Vorgehen habe man sich in der Vergangenheit bereits in anderen Länder wie Indien entschieden. Auch damals hätten hohe Zölle zu diesem Entschluss geführt. Meylan hofft zwar, dass sein Unternehmen nicht so weit gehen werde, er müsse dies aber trotzdem miteinplanen.
Gegenseitige Abhängigkeiten
Die Manufaktur «Eberhard & Co.» in La Chaux-de-Fonds hingegen hat in der Vergangenheit weder auf die USA noch auf China gesetzt. Geschäftsführer Mario Peserico ist überzeugt, dass Europa ein stabiler Markt ist für Schweizer Uhren – gerade auch mit Blick auf den sich anbahnenden Handelskrieg mit den USA.
Die Situation sei schwierig, aber das Uhrmacherhandwerk sei eng mit Europa verbunden, so Peserico weiter.
Als kleine Manufaktur könne er schneller auf Veränderungen reagieren als die grossen Konzerne. Aber man sei aufeinander angewiesen, sagt Meylan von «H. Moser». «Wenn es schwierig ist für die anderen, merken wir das.»
Dies sei mitunter auch für die Lieferanten eine schwierige Situation. Müssten diese Kurzarbeit anmelden, so würden auch bei ihm manchmal Teile zu spät eintreffen, die seine Firma nicht selbst produziert. Dies habe dann auch Folgen auf die Uhren-Lieferungen.
Es bleibt also abzuwarten, wie schnell die Schweizer Uhrenbranche auf Verkaufsrückgänge und Zölle reagieren kann.