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Orascom-Aktie Sawiris' Visionen geplatzt: Bruchlandung der Orascom

Samih Sawiris' Wachstumspläne entpuppten sich als Wunschfantasien. Nun verschwindet die Aktie der Orascom Development Holding von der Schweizer Börse. Privatanleger fühlen sich über den Tisch gezogen.

Mit viel Brimborium ging die Aktie des Immobilienentwicklers und Hotelbetreibers Orascom im Mai 2008 an die Schweizer Börse. Hinter Orascom steht die Familie des Ägypters Samih Sawiris, die vor dem Börsengang mit grossmundigen Versprechen auch Privatanleger anlockte. Sawiris versprach 2008 hohe zweistellige Wachstumsraten, für viele Jahre. Die Versprechen überzeugten viele – und die Aktie schoss am ersten Handelstag auf 152 Franken hoch. Der erfolgreiche Börsengang spülte Orascom 668 Millionen Franken in die Kasse.

Sawiris ist einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden, weil er in Andermatt ein Luxusresort baute, das Projekt «Andermatt Swiss Alps» (ASA). 49 Prozent der ASA gehören auch heute noch der Orascom Development Holding; die Mehrheit der ASA hingegen ist im privaten Besitz von Samih Sawiris. Im Portefeuille der Orascom Holding sind noch weitere Immobilienprojekte in anderen Ländern enthalten, insbesondere in Ägypten.

Anlegerinnen fühlen sich betrogen

Doch was zu Beginn als tolle Anlage-Story aussah, entpuppte sich bald als Luftballon. Kurz nach dem Börsengang ging es vor allem noch eins: abwärts. Schon 2017 fiel die Orascom-Aktie auf unter 10 Franken. 2024 dann tauchte der Titel sogar unter das Niveau von 5 Franken. Kurz vor Weihnachten 2024 dann kam die Ankündigung der Sawiris-Familie, dass man dem Trauerspiel ein Ende mache und das Unternehmen von der Schweizer Börse nehme. Die Familie machte den privaten Anlegern ein freiwilliges Kaufangebot: Pro Aktie gibt es noch 5 Franken und 60 Rappen.

Viele Privatanleger reagierten erzürnt auf das mickrige Angebot. Bedeutet es vor allem für jene, die frühzeitig bei Orascom eingestiegen sind und an Sawiris Versprechen geglaubt haben, herbe Verluste.

Naguib Sawiris, der Sohn des Orascom-Gründers und heutiger Verwaltungsratspräsident, verteidigte gegenüber dem «Blick» im Januar den tiefen Angebotspreis allerdings: Das Angebot liege immerhin gut 40 Prozent über dem volumengewichteten Durchschnittskurs der letzten 60 Handelstage vor der Ankündigung des Angebots. So, wie es die Börse vorschreibt. Betroffene Anleger monieren allerdings, dass der «echte» Wert der Orascom-Aktie bei eher 30 Franken liegen würde. Unter anderem wegen hoher Landreserven in verschiedenen Ländern, die zu sehr tiefer Bewertung in der Bilanz stünden.

Nie vom Fleck gekommen

Wer sich die Entwicklung von Umsatz und Gewinn von Orascom über die Jahre anschaut, stellt jedenfalls fest: Orascom ist seit dem Börsengang 2008 nie vom Fleck gekommen. Der Umsatz lag 2023 (das Jahresergebnis 2024 liegt noch nicht vor), 15 Jahre nach dem Börsengang, nur wenig höher als damals – bei tieferem Gewinn. Aus den Versprechen Sawiris ist nichts geworden.

Drei Männer in Anzügen vor historischem Gebäude.
Legende: Die Gebrüder Naguib Sawiris, Samih Sawiris und Nassef Sawiris (von links) nach der Ehrenbürgerfeier für Samih Sawiris (Mitte) im Theater Uri in Altdorf am 4. Juni 2021. KEYSTONE/Urs Flueeler

Gelohnt hat sich die Übung hingegen für die Familie Sawiris: Der Rückkauf der ausstehenden Aktien kostet sie nun nicht einmal mehr 90 Millionen Franken. Zudem haben die meisten Privatanlegerinnen das Kaufangebot – trotz Wut im Bauch – mittlerweile angenommen. Nach dem Motto: Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.

Nach dem heutigen Ablauf der Angebotsnachfrist befinden sich nun 97.5 Prozent der Orascom-Aktien im Besitz der Sawiris-Familie. Damit dürfte die Dekotierung der Orascom-Aktie von der Schweizer Börse in Bälde Tatsache werden – und die Börse um ein tristes Kapitel reicher sein.

SRF 4 News, 26.2.2025, 16:13 Uhr

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