Hansjörg Wyss aus Bern ist reich geworden mit seinem Medizinaltechnik-Unternehmen Synthes. Seit vielen Jahren schon lebt er nun in den USA und setzt sein Milliardenvermögen als Mäzen ein.
Letzte Woche hat er am Rande der UN-Vollversammlung verkünden lassen, er werde weitere 500 Millionen Dollar für die weltweite Biodiversität spenden. Der Gründer von Amazon, Jeff Bezos, spendete eine Milliarde Dollar. Zusammen mit sieben weiteren Spenden von Superreichen kamen so fünf Milliarden Dollar zusammen. Das Geld soll eingesetzt werden, um bis 2030 30 Prozent der Landfläche der Erde und 30 Prozent der Ozeane unter Schutz zu stellen.
So viel Geld aufs Mal wurde noch nie für die Biodiversität gespendet. Verschiedene angefragte Naturschutzexperten halten die finanzielle Unterstützung für beachtenswert. «Für mich haben diese Spenden eine neue Qualität», sagt etwa Raffael Ayé, der Geschäftsführer von Birdlife Schweiz, «weil hier auch Leute involviert sind, die sich bisher im Zusammenhang mit der Biodiversitätskrise nicht so in der Öffentlichkeit gezeigt haben».
Was passiert, wenn der Stifter stirbt?
Private Stifter können im Naturschutz kurzfristig viel erreichen. Doch die Erfahrung zeigt: Langfristig müssten die Zivilgesellschaft und die Staaten für den Naturschutz aufkommen, da sind sich alle befragten Experten einig.
Das zeigt sich etwa am Beispiel von Luc Hoffmann. Der Zoologe und Roche-Erbe hat schon in den 1950er-Jahren in der Camargue in Südfrankreich und anderswo Land für den Naturschutz zusammengekauft und viel für den Schutz der Feuchtgebiete bewirkt. Vor fünf Jahren aber ist Luc Hofmann gestorben und seine Erben setzen das Geld nun anders ein. Hofmanns Mava-Stiftung, die auch in der Schweiz den Naturschutz mit hohen Beträgen unterstützt hat, zahlt ab 2023 nichts mehr.
Indigene Völker wollen gehört werden
Auch der Berner Milliardär Hans Wyss hat weltweit bereits riesige Landflächen aufgekauft und für die Natur gesichert – in Argentinien, Peru, den USA und Kanada zum Beispiel. Das geht aber nur, wenn es sich um Privatland handelt. Eine Studie des Weltbiodiversitätsrates aus dem Jahr 2019 zeigt, dass die Hälfte der für die Biodiversität wertvollsten Flächen schon von indigenen oder lokalen Bevölkerungsgruppen bewohnt wird. Das sei aber grundsätzlich kein Problem, sagt Eva Spehn vom Forum Biodiversität Schweiz, denn in den meisten Fällen schade die bisherige, extensive Nutzung der Natur nicht. Es habe ein Umdenken stattgefunden: «Unter Schutz stellen heisst nicht mehr nur klassischer Naturschutz, wo man eine Käseglocke über die wertvollen Gebiete stülpt und die Menschen ausschliesst.» Schutzgebiete mit nachhaltiger Nutzung sind möglich.
Schutz über streng geschützte Gebiete hinaus
Umgekehrt dürfe der Schutz nicht an der Parkgrenze enden, sagt Claude Martin, der ehemalige Generaldirektor von WWF International: «Hochgiftige Pestizide etwa gelangen auch von aussen in die Schutzgebiete und richten dort immense Schäden an.» Kommt dazu, dass in vielen Ländern, wie in der dichtbesiedelten Schweiz, kaum mehr neue Flächen für den Naturschutz gefunden werden können. Das Ziel müsse also sein, auch bereits genutzte Flächen wieder massiv aufzuwerten, um dem Aussterben der Tier- und Pflanzenarten Einhalt zu gebieten.
Die reichen Spender wollen diese Überlegungen berücksichtigen. Sie haben angekündigt, dass sie eng mit der lokalen Bevölkerung, den Naturschutzorganisationen und den Regierungen vor Ort zusammenarbeiten wollen.