Es passiert im Frühjahr 2022. Während die Welt den Beginn des Ukraine-Krieges noch nicht begreifen mag, rollen bereits zwei Tage später, am 24. Februar, russische Panzerfahrzeuge an die Stadtgrenze von Butscha. Ein Schatten des Schreckens legt sich über die Stadt.
Anfang März liegt die Stadt in eisiger Kälte, die Temperaturen sinken unter Null. Die Menschen kämpfen ohne Wasser, Strom und Internet ums Überleben – abgeschnitten von der Aussenwelt. Kommunikationsantennen wurden mutwillig zerstört. Schon zu diesem Zeitpunkt kommt es zu gezielten Tötungen von mehreren Hunderten Zivilistinnen und Zivilisten.
Dann, am 8. März, besetzen die Russen Butscha – und bleiben etwa für einen Monat. Was in diesen Wochen passiert, brennt sich tief in die Erinnerung ein: Leichen von Kindern, Frauen und Männern liegen auf den Strassen – wie zur Schau gestellt.
In den folgenden Tagen und Wochen findet man weitere Tote, ermordet hinter Hausecken, in Gärten und Kellern – manche mit gefesselten Händen, viele mit Schusswunden am Kopf. Auch die Zerstörung der Infrastruktur ist nicht zu übersehen – ein Bild des völligen Zusammenbruchs.
Am 1. April 2022 gelingt es ukrainischen Truppen, Butscha zu befreien. In seiner abendlichen Videobotschaft erinnert Präsident Wolodimir Selenski an das Verbrechen und sagt: «Für all das müssen russische Verbrecher unbedingt zur Verantwortung gezogen werden.»
Russland bestreitet jegliche Verantwortung und bezeichnet die Vorwürfe als erfundene Lügen. Zahlreiche Aufnahmen aus der zerstörten Stadt zeigen jedoch ein anderes Bild. Zudem gibt es zahlreiche Vermisste, deren Schicksal ungewiss bleibt.
Kurz darauf strömen Journalistinnen und Journalisten in das betroffene Gebiet, getrieben von dem Drang, die Ereignisse zu verifizieren und belastbares Bildmaterial zu sammeln. So wurden die Vorfälle durch zahlreiche Foto- und Videoaufnahmen sowie erste Zeugenaussagen noch lebender Bewohnerinnen und Bewohner dokumentiert.