Die US-Regierung macht Ernst mit ihrer Ankündigung, im Migrationsbereich hart durchzugreifen. In den letzten Wochen haben die Behörden mehrere Hundert Venezolaner nach El Salvador abgeschoben. Ohne Prozess – und trotz eines gerichtlichen Verbots.
Ihnen wird vorgeworfen, Gangmitglieder zu sein. In El Salvador wurden die mutmasslichen Bandenmitglieder in ein riesiges Hochsicherheitsgefängnis gebracht. Der Journalist Michael Castritius hat das Hochsicherheitsgefängnis in El Salvador vor Kurzem besuchen können.
SRF News: Wie muss man sich dieses Mega-Gefängnis vorstellen?
Michael Castritius: Ich würde es wie eine Fabrik beschreiben. Das Ganze besteht aus Stahl und Beton und acht riesigen Haftblöcken, welche wie Maschinenhallen aussehen. Das Gelände ist 32 Fussballfelder gross und gebaut für 40’000 Insassen. In den jeweiligen Haftblöcken gibt es links und rechts je 16 Zellen, in welchen bis zu 80 oft martialisch tätowierte Insassen sitzen. Die meisten davon sind Mitglieder der berüchtigten Mara-Banden aus El Salvador und nun auch die Deportierten aus den USA.
El Salvador hat das Gefängnis errichtet, um der Bandengewalt im eigenen Land beizukommen. Was verspricht sich die Regierung von Präsident Bukele, wenn man dort nun Abgeschobene aus den USA aufnimmt?
Seitdem Bukele vor drei Jahren den Ausnahmezustand ausgerufen hat, ist in El Salvador einiges passiert. 85’000 Menschen sind eingesperrt worden, die Bandengewalt hat dramatisch abgenommen, die Mordrate ist gesunken. Früher war El Salvador das gefährlichste Land der Welt, was die Mordrate betrifft, inzwischen ist es das sicherste Land Lateinamerikas.
Bukele präsentiert sich als der Mann der harten Hand und auf der anderen Seite kriegt er Geld aus den USA.
Durch die Aufnahme der Deportierten aus den USA verspricht sich Bukele zum einen mehr Reputation in den USA bei Donald Trump. Aber auch bei den Nachbarländern Honduras oder Guatemala, welche ebenfalls unter Bandengewalt leiden und welche sich das Mega-Gefängnis bereits vor Ort angeschaut haben.
-
Bild 1 von 5. Die abgeschobenen Personen aus den USA werden in das Mega-Gefängnis Cecot gebracht. Bildquelle: El Salvador presidential press office via AP.
-
Bild 2 von 5. Dies, ohne Prozess. Bildquelle: El Salvador presidential press office via AP.
-
Bild 3 von 5. Kristi Noem, Leiterin des Heimatschutzministeriums, macht sich vor Ort ein Bild. Bildquelle: Keystone/Alex Brandon.
-
Bild 4 von 5. Die Verhältnisse im Gefängnis sind prekär. Bildquelle: Keystone/Alex Brandon.
-
Bild 5 von 5. Das Gelände ist 32 Fussballfelder gross. Bildquelle: Keystone/Salvador Melendez.
Bukele präsentiert sich als der Mann der harten Hand und auf der anderen Seite kriegt er Geld aus den USA. Die Rede ist von 7 Millionen US-Dollar für diese 238 Gefangenen. Mit diesem Geld kann er einen guten Teil der Gefängniskosten des Gefängnisses tragen.
Was bedeutet die ganze Situation für die abgeschobenen Männer aus den USA?
Sie erhalten aktuell keinen Prozess, hocken im Gefängnis ohne Matratzen, Decken, Kissen, ohne irgendwelche persönlichen Dinge, und vor allem ohne Kontakt nach aussen.
Wie diese Unschuldigen aus dem Gefängnis wieder herauskommen, ist im Moment völlig fragwürdig.
Unter den Abgeschobenen aus den USA sind einige dabei, die völlig unschuldig sind, und nur wegen irgendwelcher Tattoos eingelocht worden sind. Diese Tattoos wurden von US-Ermittlern als Zeichen dafür gesehen, dass sie Mitglieder dieser Banden seien. Beispielsweise hatte ein Gefangener eine Krone tätowiert. Dies wurde als Hinweis dafür angesehen, dass er ein führendes Mitglied einer Bande sei. Dabei stellte sich heraus, dass die Krone auch auf dem Wappen von seinem Lieblingsverein Real Madrid abgebildet ist und er sich deshalb dieses Motiv hatte stechen lassen. Wie diese Unschuldigen aus dem Gefängnis wieder herauskommen, ist im Moment völlig fragwürdig.
Das Gespräch führte Christina Scheidegger.