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Italiens Cinque Stelle: Zerrissen durch internen Machtkampf
Aus Rendez-vous vom 22.11.2024. Bild: AP Photo/Andrew Medichini
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Italiens Parteienlandschaft Der Glanz ist weg bei der Fünf-Sterne-Bewegung

Einst stärkste Partei mit Premierminister: Jetzt sorgen die Cinque Stelle nur noch für Schlagzeilen wegen interner Streitereien.

Am Wochenende versammelt sich die Fünf-Sterne-Bewegung in Rom. Doch ob auch Beppe Grillo, ihr Gründer, anreisen wird, sei unklar, sagt Autor und Journalist Luca Ciarrocca: «Sollte Grillo aber doch noch in Rom auftauchen, dann wird er wohl Krach schlagen.»

Worum geht es im lauten Streit zwischen Gründer Grillo und dem ehemaligen Premier Conte? Laut der Journalistin Lisa Di Giuseppe prallen zwei ganz unterschiedliche Charaktere aufeinander: Der Komiker Beppe Grillo ist laut, ungehobelt, provokativ. Während der frühere Ministerpräsident und Jurist Giuseppe Conte ruhig, kontrolliert und diplomatisch auftritt.

Inhaltliche Differenzen

Doch das ist nicht alles. Zwischen den beiden gebe es auch handfeste, inhaltliche Differenzen, so Di Giuseppe: Grillo möchte zurück zu den Ursprüngen und die Bewegung weder links noch rechts verorten. Das heisst, dass Grillo überall in Italiens Gesellschaft den Protest abholen will.

Peppe Grillo ist alt und müde.
Autor: Luca Ciarorocca Autor und Journalist bei der Tageszeitung «Fatto Quotidiano»

«Doch Conte ist anderer Meinung», sagt die Journalistin, die für die linksliberale Tageszeitung «Domani» schreibt und die Fünf-Sterne-Bewegung seit Jahren beobachtet. Conte positioniere die Fünf Sterne als Teil der progressiven Linken. Auch wenn er mit den anderen linken Parteien nur lose zusammenarbeiten wolle.

«Conte strebt linke Bündnisse à la carte an, also von Fall zu Fall. Je nach Region und Wahl», sagt Journalist Ciarocca, der für die Tageszeitung «Fatto Quotidiano» schreibt, die den Cinque Stelle nahesteht. Doch die Sozialdemokraten drängten auf eine feste, verlässliche Allianz, um die rechte Premierministerin Meloni dereinst schlagen zu können.

Streitpunkt: Amtszeitbeschränkung

Die Wahl-Allianzen sind am Kongress der Cinque Stelle ein grosses Thema. Intensiv diskutiert wird auch das Rotationsprinzip. Gemäss der Regel soll für Mitglieder der Fünf Sterne nach zwei Amtszeiten im Parlament Schluss sein.

Die Fünf-Sterne-Bewegung könnte sich zur Partei von Ex-Premier Conte und seiner Entourage weiterentwickeln.
Autor: Lisa Di Giuseppe Journalistin bei der linksliberalen Zeitung «Domani»

Grillo hält eisern an dieser Beschränkung fest, er will keine Berufspolitiker. Conte aber möchte die Regel kippen, damit auch erfahrene und beliebte Politikerinnen und Politiker kandidieren können.

Wer sich durchsetzt, ist schwer vorherzusagen. Mittelfristig aber habe wohl Conte die besseren Karten, sagt Di Giuseppe: «Die Fünf-Sterne-Bewegung könnte sich zur Partei von Ex-Premier Conte und seiner Entourage weiterentwickeln.»

Allerdings nahm der Zuspruch der Wählerinnen und Wähler zuletzt stark ab: Von über 30 Prozent im Jahr 2018 auf nun noch etwa zehn Prozent.

Wohin könnten die Wähler gehen?

Journalist und Autor Ciarrocca geht gar davon aus, dass die Bewegung ihrem Ende zusteuert. Ihre Wählerinnen und Wähler könnten ihm zufolge dann zu den Sozialdemokraten und zu den Links-Grünen abwandern. Sämtliche Stimmen werden die anderen linken Parteien aber kaum anziehen können.

So erinnert Lisa Di Giuseppe daran, dass die Cinque Stelle in ihren besten Zeiten eben auch viele Nichtwählende ansprachen und erstmals an die Urnen brachten. Und so könnten viele ehemalige Wählerinnen und Wähler wieder in die Stimmabstinenz zurückfallen.

Bei der Gründung der Bewegung 2009 hatten sich viele von Grillo begeistern lassen. Doch dessen Zeit sei vorbei: «Grillo ist alt und müde», sagt Luca Ciarrocca. Darum gehen auch andere Beobachter davon aus, dass die Fünf Sterne ihre besten Zeiten hinter sich haben.

Rendez-vous, 22.11.2024, 12:30 Uhr

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