Worum geht es? Grönland ist mit 2.16 Millionen Quadratkilometern Fläche die grösste Insel der Welt. Sie verfügt über viele Rohstoffe. Grönland ist ein politisch selbstverwalteter Teil des Königreichs Dänemark. US-Präsident Donald Trump hat bereits in seiner ersten Amtszeit davon gesprochen, dass er es gerne hätte, wenn Grönland zu den USA gehören würde. 2019 machte er den Vorschlag, Grönland zu kaufen. Die Einwohnerinnen und Einwohner von Grönland und die meisten Leute auf der Welt taten diesen Vorschlag als absurde Idee ab.
Was sagt US-Präsident Donald Trump in seiner zweiten Amtszeit? «Wir werden Grönland bekommen. Ja, 100 Prozent», sagte Trump Ende März 2025 in einem NBC-Telefoninterview. Er fügte hinzu, dass es eine «gute Möglichkeit gibt, dass wir es ohne militärische Gewalt tun können», aber dass er nichts ausschliesse. Auf die Frage, welche Botschaft ein Erwerb Grönlands an Russland und den Rest der Welt senden würde, sagte Trump laut NBC: «Darüber denke ich wirklich nicht nach. Es ist mir eigentlich egal.»
Man kann keine anderen Länder annektieren. Auch nicht mit dem Argument internationaler Sicherheit.
Was meint die dänische Regierung zu Trumps Anspruch? Mit einer direkten Botschaft an die USA hat Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen am Donnerstag Besitzansprüche von Trump auf Grönland zurückgewiesen. «Nationale Grenzen, Souveränität der Staaten, die Integrität von Territorien: Das ist im Völkerrecht verwurzelt. Das sind grundlegende Prinzipien», sagte sie in der grönländischen Hauptstadt Nuuk. «Sie wurden nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen, damit kleine Länder keine Angst vor grossen Ländern haben müssen.» Frederiksen betonte, es gehe nicht nur um Grönland oder Dänemark, sondern um eine über Generationen aufgebaute gemeinsame Weltordnung über den Atlantik hinweg. Auf dem Inspektionsschiff «Vædderen» fügte sie hinzu: «Man kann keine anderen Länder annektieren. Auch nicht mit dem Argument internationaler Sicherheit.» Die Botschaft wiederholte sie anschliessend auf Englisch.
Was bedeutet Trumps Absicht für Dänemark? «In Dänemark wächst die Einsicht, dass bald 98 Prozent der Fläche seines Königreiches verloren gehen, wenn es nicht gelingt, das lange angespannte Verhältnis Dänemarks zur früheren Kolonie auf eine neue Grundlage zu stellen», sagt SRF-Nordeuropakorrespondent Bruno Kaufmann.
Wie steht das Parlament von Grönland dazu? «Nach Jahrzehnten grosser Uneinigkeit über den einzuschlagenden Kurs Richtung Unabhängigkeit haben sich nun vier von fünf Parteien im Parlament auf einen gemeinsamen Kurs geeinigt.» Das Ziel sei, die staatliche Unabhängigkeit als gleichberechtigtes Mitglied in der Reichsgemeinschaft zusammen mit Dänemark und den Färöer-Inseln anzustreben.
Was wir jetzt erleben, ist wahrscheinlich erst ein Vorspiel eines geopolitischen Dramas, das vieles in der Arktis umkrempeln könnte.
Überdeckt die Bedrohung durch die USA die Streitigkeiten zwischen Grönland und Dänemark? Mit seinem aggressiven Kurs habe US-Präsident Donald Trump fast «ein Wunder» bewirkt, so Kaufmann. «Sowohl der bisherige als auch der künftige Ministerpräsident Grönlands haben gemeinsam mit der dänischen Ministerpräsidentin Einigkeit gezeigt. Das ist etwas sehr Neues.»
Wovon lebt die grönländische Wirtschaft? Grönland lebt vom Fischereiexport, der fast 90 Prozent der Exporteinnahmen ausmacht. Gut die Hälfte des Fischereiexports geht nach China. Ein Drittel wird nach Europa exportiert, nur ein Prozent geht in die USA.
Werden die USA den Druck noch erhöhen? «Was wir jetzt erleben, ist wahrscheinlich erst ein Vorspiel eines geopolitischen Dramas, das vieles in der Arktis umkrempeln könnte», sagt Bruno Kaufmann.