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Benzinpreis Schweiz Das waren 2024 die günstigsten Tankstellen im Land

Die Schweiz ist ein Land von Tankstellen. Die Tankstellendichte ist mit über 3500 Zapfanlagen hoch: vom aserbaidschanischen Ölkonzern, über die Grossverteiler mit grosszügigem Tankstellenshop bis zur ans Wohnhaus angebauten Zapfsäule ist alles dabei. So unterschiedlich wie die Tankstellen sind auch die Preise. Sie unterscheiden sich regional stark und über die Schweiz gesehen deutlich. Erstmals bieten die Zahlen des TCS-Benzinpreisradars von 2024 einen Überblick übers Benzinland Schweiz.

Auffällig sind die Grenzkantone. Hier wird der Treibstoffpreis von den Preisen im Ausland mit beeinflusst. In Deutschland ist der Preis tendenziell etwas tiefer, in Frankreich und Österreich im Durchschnitt meist deutlich tiefer. So gehören die Kantone Jura, Baselland und Solothurn zu den günstigsten Kantonen. Die Preisdifferenz kann gerade für Grenzgängerinnen und Grenzgänger interessant sein: Jahrelang profitierten etwa Tessiner Tankstellen von den teuren Preisen in Italien. Seit der italienische Staat wegen der Energiekrise 2022 die Steuern auf Kraftstoff vorübergehend senkte, sind die goldenen Jahre für Tessiner Tankstellen aber vorbei.

Unterschiedliche Faktoren für Preise

Eindeutige Gründe, warum der Liter Benzin gerade im Kanton Uri am teuersten ist, gibt es nicht. Einflussfaktoren sind die mit 19 Zapfsäulen kleine Anzahl Tankstellen, die Gotthard-Autobahn und Passstrasse sowie die relativ grosse Entfernung zur Raffinerie im Kanton Neuenburg, der Pipeline in Genf und dem Rheinhafen in Basel: Also von dort, wo der Treibstoff in der Schweiz herkommt.

Der TCS-Benzinpreisradar

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Die Daten für diese Recherche stammen vom TCS-Benzinpreisradar. Grundlage sind die Durchschnittspreise von über 3500 Tankstellen für das Jahr 2024. Die Preise werden von Nutzern der App gemeldet. Fehlerhafte und eine geringe Anzahl Einträge sind nicht auszuschliessen. Nichtsdestotrotz bieten die Daten erstmals einen genaueren Überblick über die Preissituation an Schweizer Zapfsäulen.

Interessant ist auch der Kanton Zug. Auffällig ist hier, dass sich die Preise zwischen den verschiedenen Tankstellen kantonsweit kaum unterscheiden. Lediglich fünf Rappen beträgt der Unterschied vom günstigsten zum teuersten Durchschnittspreis. Der schweizweite Durchschnitt beträgt 30 Rappen. «Das nennt man stille Kollusion», sagt Stefan Legge von der Universität St. Gallen. «Die Tankstellen müssen sich gar nicht aktiv absprechen», sagt er. Es reiche, wenn die Tankstellenbetreiber die Preise an die anderen angleichten. «Und solange keiner den Preis gegen unten bricht, bewegen sich die Preise miteinander.»

Grosse Ketten sind tendenziell teurer

Vergleicht man die Tankstellen-Marken untereinander fällt auf, dass die grossen Ketten tendenziell teurer sind. Mit 1.85 Franken verlangt Shell 2024 im Durchschnitt am meisten. Doch auch Eni, BP, Socar und Tamoil verlangen über 1.80 Franken. Im Mittelfeld liegen Anbieter wie Avia, Agrola, Coop und die Migrol.

Die Firmen argumentieren, dass sie mit ihren Tankstellenshops und Angeboten den Kunden einen Mehrwert böten. Die Migrol schreibt, dass ihre Preispolitik stark von Rabatten und Coupons geprägt seien. So sei der effektiv offerierte Preis häufig günstiger als angeschrieben. Avia schreibt, dass ihre Händler die Preise nach lokalen Marktgegebenheiten festsetzen würden. Schweizweit gesehen etwas günstiger sind die Tankstellen von Ruedi Rüssel mit 1.77 Franken im Durchschnitt. Nochmals deutlich günstiger sind nur kleinere Anbieter wie die Etzelpark-Tankstellen oder Ecostop.

Preisüberwacher kritisch, Erdöl-Verband zufrieden

Die Frage bleibt, ob der Wettbewerb unter den Tankstellen genügend spielt. Avenergy, der Verband der Schweizer Erdölimporteure ist davon überzeugt: «Der Schweizer Tankstellenmarkt ist äusserst kompetitiv, die Tankstellendichte hoch.» Der Markt funktioniere. Der schweizerische Preisüberwacher ist da skeptischer: Hinweise auf Preisabsprachen gebe es zwar nicht, wie die Wettbewerbskommission 2022 festgestellt hat. Er wünscht sich aber mehr Transparenz: Der Benzinpreisradar des TCS sei höchstens «semi-transparent», da die Daten von Nutzenden und nicht von den Tankstellenbetreibern in Echtzeit zur Verfügung gestellt würden. Das führt nach Einschätzung des Preisüberwachers zu vergleichsweise hohen Preisen, weil die absolute Vergleichbarkeit fehle. Avenergy schreibt dazu: «Die Preisgestaltung ist äusserst transparent – nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass jede Tankstelle ihre Preise gut sichtbar am Strassenrand zur Schau stellt.» Benzinpreis-Apps mit Echtzeitdaten sind in unseren Nachbarländern heute Standard. In der Schweiz ist ein Vorstoss dafür 2023 im Parlament gescheitert.

So viel fliesst an den Bund

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77 Rappen pro Liter Benzin, 80 Rappen pro Liter Diesel: So viel betragen Mineralölsteuer und Mineralölsteuerzuschlag. Ausserdem kommen 8.1 Prozent Mehrwertsteuer dazu. Ein beachtlicher Teil des Spritpreises ist also fix. Der Bund prognostiziert für 2025 Einnahmen aus der Mineralölsteuer von 4.2 Milliarden, das sind 5 Prozent des Budgets.

Impressum

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Grafik Tanksäulen

Fabian von Allmen (Autor), Dominique Marcel Iten (Redaktion), Fabian Schwander (Frontendentwicklung), Ulrich Krüger, Marc Heer (Design).

10vor10, 25.03.2025, 21.50 Uhr ; 

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