Am Morgen das Radio einschalten und zum ersten Kaffee die Nachrichten hören: ein gängiges Ritual. Zu einem sehr grossen Teil sind für Nachrichten bei Radiostationen immer noch Menschen zuständig. Journalisten redigieren, fassen zusammen, Moderatorinnen schreiben ihre Texte und präsentieren die aktuellsten News am Sender.
Doch Künstliche Intelligenz hält auch beim Radio Einzug. Im Fürstentum Liechtenstein gibt es seit Kurzem das Radio Vaterland, ein Webradio, bei dem die Nachrichten aus der gleichnamigen Tageszeitung zusammengefasst und mit einer KI-generierten Stimme verlesen werden. Dafür wurden Stimmen von Mitarbeitenden geklont. Auch wann welches Lied gespielt wird, bestimmt die KI.
So tönt das KI-Radio in Liechtentsein
«Die Ausgangslage bei uns war klar: Wir sind ein klassisches Medienhaus, im Zentrum steht nach wie vor die Tageszeitung», sagt Daniel Bargetze, CEO der Vaduzer Medienhaus AG und Leiter News der Zeitung. Aber: «Wir haben uns überlegt: Wir könnten die Inhalte elegant, effizient und auf einem weiteren Kanal ausspielen.»
Die Grundlage bleibt das menschliche Schaffen.
Dass die rund 25 Journalistinnen und Journalisten dies nicht auch noch stemmen müssen, kam die Idee mit der Künstlichen Intelligenz auf. Vorbild ist das Radio Helgoland, das sich als «weltweit erstes von Künstlicher Intelligenz gesteuertes Radio» bezeichnet. Das Liechtensteiner Medienhaus übernahm indes auch die Systeme von der deutschen Nordseeinsel.
Daniel Bargetze betont die Wichtigkeit, dass die Inhalte nicht von der KI erstellt werden, sondern Zusammenfassungen der journalistischen Artikel sind: «Die Grundlage bleibt das menschliche Schaffen. Wir brauchen Journalisten, die über Liechtenstein, über Land und Leute berichten. Wir sehen KI als Werkzeug, das uns helfen kann, die Inhalte für andere Kanäle aufzubereiten.»
Schauspieler diskutieren über Rechte der KI-Stimmen
Ist das alles unbedenklich? SRF-Digital-Redaktor Guido Berger sagt, KI eigne sich zwar gut für Zusammenfassungen, aber sie mache auch Fehler. Und um diese Fehler zu erkennen, brauche es das Wissen dazu: «Wenn eine Person die KI kontrolliert, die nicht zum Thema recherchiert hat oder den Artikel geschrieben hat, ist sie möglicherweise gar nicht in der Lage, jedes Detail zu überprüfen.»
Ein weiteres Problem könnten die Rechte an der geklonten Stimme sein, sagt Guido Berger. Eine Diskussion, die momentan rund um den Globus geführt werde. Etwa von Schauspielerinnen und Schauspielern: «Sie haben Angst, dass sie über den Tisch gezogen werden. Dass sie einmal ihre Stimme geben und diese dann für immer verwendet werden kann, ohne dass sie entsprechend entschädigt werden.»
Kein Dialekt, keine Emotionen
Daniel Bargetze von Radio Vaterland sagt, dass vertraglich geregelt worden sei, dass die Stimmen nur für das Radio verwendet werden dürfen. Und: Dass die Mitarbeitenden ein Widerrufsrecht hätten. SRF-Digital-Redaktor Guido Berger gibt hierbei zu Bedenken, dass je nach Plattform, auf der die Stimmen geklont werden, die Rechte an diesen Stimmen auch an die Plattform abgetreten werden.
Wer Radio Vaterland hört, wird vor jeder Nachrichtensendung darauf hingewiesen, dass die News von KI und vaterland.li erstellt wurden. Aktuell läuft noch der Testbetrieb. Wie die KI-Stimmen beim Publikum ankommen, muss sich noch zeigen. Denn: Akzent oder Emotionen könnten fehlen.