Nach dem Doppelrücktritt von Bundesrätin Viola Amherd und Parteipräsident Gerhard Pfister wirkt die Mitte-Partei desorientiert, einige Parteimitglieder scheinen unzufrieden zu sein. Pfister relativiert in der «Samstagsrundschau» von Radio SRF jedoch – man habe intern schon früh reagiert.
SRF News: Wenn Sie Arzt wären und die Mitte-Partei ihre Patientin, was würden Sie ihr für eine Diagnose stellen im Moment?
Gerhard Pfister: Dass sie in einem aufgeregten Zustand ist. Ich glaube, das kann man nicht verleugnen, aber die Mitte-Partei ist gesund, es ist nichts Ernsthaftes. Es ist bei solchen Veränderungen normal, dass dann alle ein bisschen nervöser werden. Aber man muss sagen: Wir haben als Partei in den letzten Jahren sehr viel erreicht. Wir sind eine wichtige Partei für den Zusammenhalt in der Schweiz. Wie jede andere Partei haben wir aber verschiedene Interessen.
Es geht nicht an, dass die Partei irgendwelche Order herausgibt.
Nach der Rücktrittsankündigung von Bundesrätin Viola Amherd hat es Absagen gehagelt. Alle haben ihr Desinteresse für sich kommuniziert, von Koordination hat man da nichts gespürt. Wäre das nicht die Aufgabe des Parteipräsidenten?
Es ist der ganz persönliche Entscheid von jedem Einzelnen, der sich gut überlegen muss, ob er oder sie das will. Und es geht nicht an, dass da die Partei irgendwelche Order herausgibt. Das ist ein freier Entscheid und den muss man dann kommunizieren, wenn man sich so weit fühlt. Diejenigen, die abgesagt haben, sind die Favoriten der Presse. Diese haben auch früh abgesagt, damit andere überhaupt erst anfangen Überlegungen zu machen.
Unter Ihrer Präsidentschaft hat die Mitte-Partei als Nachfolgerin von CVP und BDP nach jahrzehntelangem Wählerschwund wieder zugelegt – und trotzdem sind offenbar einige in der Partei unzufrieden. Sind Sie zu forsch vorgegangen beim Zusammenschluss von CVP und BDP?
Man muss erstens sagen, dass es ein erfolgreicher Zusammenschluss gewesen ist, eine erfolgreiche Transformation. Bei den Wahlen 2023 haben wir zum ersten Mal seit über 40 Jahren wieder substanziellen Wähleranteil gewinnen können. Doch wie in jeder anderen Partei gibt es unterschiedliche Interessenlagen und das kommt halt in einer Transformationsphase auch noch dazu. Wir sind das vor mehr als einem Jahr angegangen, wir gehen das weiterhin an. Ich nehme das alles sehr ernst. Mein Anliegen ist einfach, dass das intern gemacht wird und fair für alle.
Wir haben nichts unter dem Deckel gehalten.
In der Öffentlichkeit hat man das Gefühl, dass jetzt, wo Sie ihren Rücktritt bekanntgegeben haben, vieles aufploppt, das vorher unter dem Deckel gehalten worden ist.
Wir haben nichts unter dem Deckel gehalten. Es ist immer da gewesen. Aber es ist klar, dass sich neue Optionen eröffnen, wenn der Verantwortliche für den Transformationsprozess geht. Und dass man sich fragt, in welche Richtung es gehen soll.
Amherd-Nachfolge: Wer noch im Rennen ist und wer nicht
-
Bild 1 von 29. Markus Ritter. Der 57-jährige Präsident des Bauernverbandes würde gerne Bundesrat werden. Die St. Galler Mitte-Partei hat ihn offiziell nominiert. Er ist der erste Kandidat der Mitte-Partei, der öffentlich bestätigt, kandidieren zu wollen. Er sitzt seit 2011 für den Kanton St. Gallen im Nationalrat. Bildquelle: KEYSTONE/Gian Ehrenzeller.
-
Bild 2 von 29. Martin Pfister. Auch der Zuger Regierungsrat Martin Pfister möchte gerne in den Bundesrat. Er stellt sich als Kandidat zur Verfügung. Der 61-Jährige ist seit 2016 als Gesundheitsdirektor im Zuger Regierungsrat. Bildquelle: KEYSTONE/Urs Flueeler.
-
Bild 3 von 29. Marie-France Roth Pasquier. Die Freiburger Nationalrätin will sich erst Anfang Februar zu einer möglichen Kandidatur äussern, wie sie der Nachrichtenagentur Keystone-SDA erklärte. Bildquelle: KEYSTONE/Marcel Bieri.
-
Bild 4 von 29. Peter Hegglin. Der Zuger Mitte-Ständerat hat Interesse am Amt als Bundesrat bekundet. Aktiv bewerben wird er sich jedoch nicht, wie er in einem Interview mit CH Media sagte. Bildquelle: KEYSTONE/Anthony Anex.
-
Bild 5 von 29. Die folgenden Politikerinnen und Politiker haben bereits erklärt, dass sie sich nicht für eine Kandidatur zur Verfügung stellen. Bildquelle: KEYSTONE/Gaetan Bally.
-
Bild 6 von 29. Elisabeth Schneider-Schneiter. Die Baselbieter Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter will nicht Bundesrätin werden. Die Weiterführung ihrer Arbeit im Parlament stehe für sie im Vordergrund. Bildquelle: KEYSTONE/Anthony Anex.
-
Bild 7 von 29. Nicole Barandun. Die Zürcher Nationalrätin Nicole Barandun kandidiert nicht für das Amt als Bundesrätin. Sie nennt berufliche Gründe für ihren Entscheid. Bildquelle: KEYSTONE/Gaetan Bally.
-
Bild 8 von 29. Christophe Darbellay. Der Walliser Staatsrat Christophe Darbellay will nicht in den Bundesrat. Der 53-Jährige war von 2006 bis 2016 Präsident der damaligen CVP und gehörte auch dem Nationalrat an. Bildquelle: KEYSTONE/Cyril Zingaro.
-
Bild 9 von 29. Andrea Gmür-Schönenberger. Die Luzerner Ständerätin Andrea Gmür-Schönenberger verzichtet auf eine Bundesratskandidatur, da sie sich weiterhin mit voller Kraft als Ständerätin engagieren will. Bildquelle: Keystone/GAETAN BALLY.
-
Bild 10 von 29. Marcus Caduff. Der Bündner Mitte-Regierungspräsident Marcus Caduff will nicht für das Bundesratsamt kandidieren. Seine Begründung: Es sei für ihn aus familiären Gründen der falsche Zeitpunkt. Bildquelle: KEYSTONE/Yanik Buerkli.
-
Bild 11 von 29. Gerhard Pfister. Mitte-Präsident Gerhard Pfister verzichtet. Das Amt passe nicht zu ihm, sagte er in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger». Bildquelle: Keystone/PETER SCHNEIDER.
-
Bild 12 von 29. Philipp Kutter. Der Zürcher Nationalrat verzichtet auf eine Kandidatur. Grund dafür sei seine Familie, wie Kutter gegenüber SRF sagt. «Ich habe Kinder im Primar- und Oberstufenalter und musste feststellen, dass mein Familienleben stark beeinträchtigt würde, wenn ich Bundesrat wäre. Bildquelle: Keystone/ANTHONY ANEX.
-
Bild 13 von 29. Reto Nause. Ähnlich wie bei Ritter ist es bei Nationalrat Reto Nause: «Viele sagten mir, ich solle für den Bundesrat kandidieren.» Gegenüber dem «Blick» hielt er jedoch fest, für ihn sei klar, er wolle lieber auf den ebenfalls abtretenden Parteipräsidenten Gerhard Pfister folgen. «Ich habe mich geistig auf eine Kandidatur als Mitte-Präsident eingestimmt.». Bildquelle: Keystone/PETER KLAUNZER.
-
Bild 14 von 29. Thomas Rechsteiner. Auch der Nationalrat aus dem Kanton Appenzell Innerrhoden hat sich gegen eine Kandidatur entschieden. Eine Nachfolgelösung für seine berufliche Tätigkeit zu finden, sei innert kurzer Zeit nicht möglich, begründete Rechsteiner die Absage. Bildquelle: KEYSTONE/Alessandro della Valle.
-
Bild 15 von 29. Michaela Tschuor. Die Luzernern Regierungsrätin will nicht für den freiwerdenden Sitz in der Landesregierung kandidieren und sich weiterhin um die Aufgaben und anstehenden Projekte als Regierungsrätin kümmern. Bildquelle: KEYSTONE/Urs Flueeler.
-
Bild 16 von 29. Karin Kayser-Frutschi. Die Nidwaldner Regierungsrätin prüfte eine Bundesratskandidatur, sagte schliesslich aber ab. Ihre Aufgaben im Kanton Nidwalden und ihr Amt als Co-Präsidentin der Konferenz kantonaler Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD) seien ihr wichtig. Bildquelle: KEYSTONE/Alessandro della Valle.
-
Bild 17 von 29. Philipp Matthias Bregy. Der Oberwalliser Nationalrat und Mitte-Fraktionschef will wegen seiner Familie nicht kandidieren, wie er im Gespräch mit der «NZZ am Sonntag» sagte. Bildquelle: Keystone/PETER KLAUNZER.
-
Bild 18 von 29. Isabelle Chassot. Die Freiburger Ständerätin Isabelle Chassot kennt das Regieren aus ihrem Heimatkanton. Bundesrätin wolle sie aber nicht werden, sagte sie dem Westschweizer Fernsehen RTS. Bildquelle: Keystone/PETER KLAUNZER.
-
Bild 19 von 29. Benedikt Würth. Auch der St. Galler Mitte-Ständerat Benedikt Würth hat sich gegen eine Bundesratskandidatur ausgesprochen. Bildquelle: KEYSTONE/Alessandro della Valle.
-
Bild 20 von 29. Martin Candinas. Er verspüre das nötige «innere Feuer nicht», sagte Martin Candinas – und verzichtet auf eine Kandidatur. Bildquelle: KEYSTONE/Walter Bieri.
-
Bild 21 von 29. Stefan Engler. Der Bündner Ständerat Stefan Engler ist seit 2011 Ständerat und derzeit erster Vizepräsident der kleinen Kammer – im kommenden Jahr wird er voraussichtlich Ständeratspräsident. Es ist aussichtsreicher, im Dezember als Präsident des Ständerats gewählt zu werden», zitierte ihn die «Südostschweiz». Bildquelle: Keystone/ALESSANDRO DELLA VALLE.
-
Bild 22 von 29. Heidi Z'graggen. Ihr Einsatz und ihre volle Kraft gälten den Anliegen des Kantons Uri, der Berggebiete und der gesamten Schweiz. Die Urner Ständerätin Heidi Z'graggen verzichtet auf eine Bundesratskandidatur. Bildquelle: Keystone/URS FLUEELER.
-
Bild 23 von 29. Lukas Engelberger. Der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger (Mitte) will nicht für einen Sitz im Bundesrat kandidieren. Er will Regierungsrat in Basel bleiben, wie der 49-Jährige auf Anfrage von SRF sagte. Bildquelle: Keystone/Alessandro della Valle.
-
Bild 24 von 29. Priska Wismer-Felder. Die Luzernern Nationalrätin Priska Wismer-Felder hat ebenfalls kein Interesse an einer Bundesratskandidatur. Sie wolle auch in Zukunft Zeit für ihre Kinder und Enkelkinder haben und weiterhin als Bäuerin tätig sein. Bildquelle: KEYSTONE/Peter Klaunzer.
-
Bild 25 von 29. Pirmin Bischof. Der Solothurner Ständerat gehört der Findungskommission für die Amherd-Nachfolge an und steht deshalb für eine Kandidatur nicht zur Verfügung. Gleiches gilt für die Ständeräte Charles Juillard (JU), Marianne Binder-Keller (AG) sowie die Nationalräte Nicolò Paganini (SG) und Regina Durrer (NW). Bildquelle: Keystone/Gaetan Bally.
-
Bild 26 von 29. Markus Dieth. Der Aargauer Regierungsrat verzichtet auf eine Kandidatur. Er sei sehr gerne Regierungsrat und schätze den direkten Kontakt mit der Bevölkerung, so Dieth. Bildquelle: KEYSTONE/Anthony Anex.
-
Bild 27 von 29. Walter Thurnherr . Der frühere Bundeskanzler will ebenfalls nicht kandidieren, wie er gegenüber der «Aargauer Zeitung» erklärt hat. Bildquelle: KEYSTONE/Peter Schneider.
-
Bild 28 von 29. Yvonne Bürgin. Die Zürcher Nationalrätin und Vizepräsidentin der Mitte Schweiz, Yvonne Bürgin, sagte gegenüber Keystone-SDA sie sei zum Schluss gekommen, «dass eine Kandidatur zum jetzigen Zeitpunkt zu früh wäre». Bildquelle: Keystone/PETER SCHNEIDER.
-
Bild 29 von 29. Benedikt Würth. Für den St. Galler Mitte-Ständerat steht Bundesrat zu werden nicht mehr in der Lebensplanung, wie er in einer Mitteilung schreibt. Er fühle sich in seinen heutigen Aufgaben wohl. Bildquelle: Keystone/PETER SCHNEIDER.
Bei den Mitte-Frauen herrscht Unmut, wegen eines aus ihrer Sicht schlechten Arbeitsklimas auf dem Generalsekretariat. Sie fordern eine externe Untersuchung. Haben Sie etwas verpasst?
Noch einmal: Wir sind die Entwicklungsschritte in der Organisation schon vor einem Jahr angegangen und ich appelliere an alle, dass sie sich in diesen Entwicklungsphasen beteiligen, in denen die Partei immer noch ist, dass man das aber intern und wirklich fair für alle macht.
Eine externe Untersuchung wollen Sie nicht?
Wir sind am Entwickeln der Organisation und wir müssen das machen, mit Rücksicht und mit Sorgfalt. Unsere Mitarbeitenden stehen in einem Spannungsfeld. Darüber müssen wir mit allen reden, aber wir sollten es intern machen.
Das Gespräch führte Klaus Ammann.