Was verbindet ein Test- oder Impfzentrum mit einem Open-Air, einer Technoparty oder einem Konzertlokal? Mehr als es auf den ersten Blick scheint. Organisatoren bekannter Anlässe sind nämlich für Impf- und Testzentren verantwortlich. SRF hat vier von ihnen gefragt, wie sie ihr Engagement erklären und mit welchen Herausforderungen sie kämpfen.
Stefan Wigger – Programmleiter der Kulturfabrik Kofmehl und Projektleiter des Testzentrums Solothurn: «Anfangs denkt man, eine Veranstaltung zu organisieren und ein Testzentrum zu führen, seien zwei verschiedene Welten. Doch der Tagesbetrieb eines Testzentrums gleicht einem Anlass.
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Bild 1 von 3. Stefan Wigger ist bei der Kulturfabrik Kofmehl verantwortlich für den Testbetrieb, der unter anderem auf dem Areal stattfindet. Bildquelle: SRF / Bruno von Däniken.
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Bild 2 von 3. Velofahrerinnen und Fussgänger können sich seit Dezember auf dem Gelände des Kofmehls testen lassen. Bildquelle: SRF / Bruno von Däniken.
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Bild 3 von 3. Unter der nahegelegenen Leporello-Brücke neben dem Kofmehl-Areal gibt es Drive-In-Tests. Bildquelle: SRF / Bruno von Däniken.
Die Leute müssen sich vorgängig registrieren, so wie sie bei einem Konzert zuerst ein Ticket kaufen. Das Einchecken im Testzentrum ähnelt der Ticket-Kontrolle bei einer Veranstaltung. Und schliesslich erhalten die Getesteten das Resultat, fast wie ein Erinnerungsfoto eines Konzertes. Auch bezüglich der Ressourcen ist der Betrieb eines Testzentrums vergleichbar mit einer Veranstaltung.»
Thomas Kraft – Projektleiter des Spektakels «Karl's kühne Gassenschau» und Leiter des Impfzentrums Winterthur: «Wir haben das Impfzentrum innerhalb von 90 Tagen auf die Beine gestellt. Ein solches Projekt in einer so kurzen Zeit zu realisieren, war eine grosse Herausforderung. Und man muss sich vorstellen: Wir hatten keine Vorgaben, wie das Impfzentrum aussehen muss.
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Bild 1 von 3. Thomas Kraft ist verantwortlich für den Gesamtbetrieb im Impfzentrum Winterthur. Der 63-Jährige arbeitet seit über zwanzig Jahren bei «Karl's kühne Gassenschau» mit. Bildquelle: SRF / Peter Schürmann.
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Bild 2 von 3. Das Freilichtspektakel ist bekannt für seine Stunts, Effekte und verrückten Bühnenbilder. Bildquelle: Keystone.
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Bild 3 von 3. Die Crew versucht immer wieder, innovativ Grenzen zu sprengen. Wegen der Corona-Pandemie ist es derzeit aber ruhig um «Karl's kühne Gassenschau». Bildquelle: Keystone.
Unser vierköpfiges Team hat das Impfzentrum deshalb nach bestem Wissen und Gewissen geplant, mit Pragmatismus und gesundem Menschenverstand. Anfangs war die neue Aufgabe ein Sprung ins kalte Wasser. Aber das Wasser wurde rasch warm – und ich habe mich schnell eingelebt.»
Lena Fischer – Geschäftsleitungsmitglied des Gurtenfestivals und Co-Leiterin einer Testorganisation im Kanton Bern: «Wir fahren unter anderem mit einem ausgebauten Lastwagen in verschiedene Gemeinden und testen bei Corona-Ausbrüchen. Zuvor haben wir stationäre Testzentren betrieben. Wir mussten die Infrastruktur aufbauen, eine Software programmieren, Personal rekrutieren und uns überlegen, welche Informationen die grosse Masse benötigt. Diese Aufgaben sind fast deckungsgleich mit einem Festival.
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Bild 1 von 2. Rund ein Dutzend Personen vom Kernteam des Gurtenfestivals arbeiten bei der sogenannten Testorganisation mit. Zu ihnen gehört Lena Fischer. Bildquelle: Gurtenfestival AG / Keystone.
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Bild 2 von 2. Die Gurtenfestival AG betrieb in Bern-Belp ein temporäres Schnelltestzentrum. Über die Ostertage war die Crew für ein temporäres Schnelltestzentrum beim Bahnhof Bern verantwortlich. Bildquelle: Gurtenfestival AG.
Die kniffligste Aufgabe war aber der medizinische Bereich. Neue Fragen sind aufgetaucht: Wie muss man die Kosten abrechnen? Wie funktionieren welche Tests genau? Hier mussten wir uns eine Übersicht verschaffen. Die Tests machen Laien, die medizinisch geschult worden sind. Bei den Schnelltests sind zwingend eine Ärztin oder Arzt und medizinisches Fachpersonal vor Ort.»
Joel Meier – Präsident des Vereins Streetparade und Gesamtprojektleiter des Impfzentrums Uster: «Die Anfrage des Spitals Uster, welches das Impfzentrum betreibt, war ein riesiger Aufsteller für unsere Eventfirma. Wie viel wir am Schluss dabei verdienen, wissen wir nicht genau. Für uns war es einfach wichtig, dass es wieder Arbeit gibt; und vor allem sinnstiftende Arbeit. Das Impfen ist eine von verschiedenen Möglichkeiten, damit wir die Pandemie überwinden und bald wieder Veranstaltungen durchführen können.
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Bild 1 von 3. Vom Raven zum Impfen: Veranstaltungsprofi Meier leitet das Impfzentrum Uster. Er ist für Organisation, Aufbau und Logistik in der Turnhalle verantwortlich. Bildquelle: SRF / ZVG.
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Bild 2 von 3. Seit 2007 ist Joel Meier Präsident des Vereins, welcher die Streetparade organisiert – die grösste Techno-Party der Welt. Bildquelle: Keystone.
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Bild 3 von 3. Hunderttausende Besucherinnen und Besucher tanzen jeweils durchs Zürcher Seebecken. 2020 wurde der Anlass wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Bildquelle: Keystone.
Etwas vom Schönsten war, zusätzliches Personal für das Impfzentrum zu rekrutieren. Ganz viele Menschen sind schwer betroffen in dieser Pandemie. Sie haben den Job und die Perspektive verloren. Es ist sehr viel wert, dass man wieder arbeiten kann und merkt: Es braucht mich, mein Know-how und meinen Einsatz.»