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Beziehung Schweiz – USA Weshalb Trump die Schweiz nicht versteht

Trump will die Schweiz mit einem Zoll von 31 Prozent bestrafen. Der Entscheid basiert auf einem Grundlagenirrtum.

Darum geht es: Die Schweiz erzielt im Handel von Produkten gegenüber den USA einen grossen Überschuss. Das heisst: Die Schweiz liefert mehr Produkte in die USA, als sie von dort bezieht. In der Wahrnehmung von Donald Trump: Die Schweiz gewinnt, die USA verlieren.

Überschuss bei den Waren: Im vergangenen Jahr hat die Schweiz Waren und Güter im Wert von rund 53 Milliarden Franken in die USA geliefert. Importiert wurden Produkte im Wert von 14 Milliarden. Unter dem Strich hat die Schweiz im Handel mit den USA einen Überschuss von 39 Milliarden Franken. Die USA sind für die Schweiz der wichtigste Absatzmarkt, in kein anderes Land sind die Exporte so hoch. Der Handelsbilanzüberschuss hat in den vergangenen Jahren zugenommen.

Defizit bei den Dienstleistungen: Bei der Betrachtung einer Wirtschaftsbeziehung sollten neben den Produkten auch die Dienstleistungen berücksichtigt werden. Hier weist die Schweiz gegenüber den USA ein Defizit aus. Zu den Dienstleistungen gehören die Lizenzgebühren in der Informatik. Die meisten Computer laufen mit einer Software aus den USA, sei es Microsoft oder auch Programme und Plattformen von Apple, Google, Meta und anderen Anbietern. Zu den weiteren Dienstleistungen gehören Forschung und Entwicklung, Beratungsdienste, Transport, Tourismus und vieles mehr. Im Jahr 2023 hat die Schweiz Dienstleistungen im Wert von 28 Milliarden Franken exportiert, die Importe lagen bei 49 Milliarden. Dies ergibt für die Schweiz ein Defizit von 21 Milliarden Franken. Die Schweiz verliert, die USA gewinnen. Die Zahlen zu den Dienstleistungen werden von den USA ignoriert.

Investitionen: Die Schweizer Firmen investieren so viel Geld in den USA wie sonst in keinem anderen Land. Der Kapitalbestand beläuft sich auf 288 Milliarden Franken, das ist die Summe, die in der Vergangenheit investiert wurde. Das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco rechnet vor, dass bei den Unternehmen in den USA mit Schweizer Kapital rund 340'000 Personen arbeiten. Mit anderen Worten: Mit dem Geld aus der Schweiz werden in den USA Arbeitsplätze geschaffen.

Bild von Banknoten, Franken und Dollar
Legende: Die Schweiz manipuliere den Wechselkurs, um die eigene Wirtschaft zu stützen. Dies ein Vorwurf von Trump aus seiner ersten Amtsperiode. Keystone/CHRISTIAN BEUTLER

Die Währung: Die Schweiz sei ein Manipulator der Devisenkurse. Diesen Vorwurf machte Donald Trump in seiner ersten Amtszeit. Das Finanzministerium publizierte 2020 einen Bericht, in dem die Nationalbank beschuldigt wurde, den Dollar künstlich teuer zu halten. Aus Sicht der USA sei das schlecht für die amerikanischen Firmen. Die Nationalbank wehrte sich gegen die Vorwürfe. Ziel der Interventionen auf dem Devisenmarkt sei die Steuerung der Inflation. Nach der Abwahl von Trump und dem Wechsel zu Biden sind die Vorwürfe versandet.

Fazit: Die Betrachtungen von Donald Trump erscheinen einseitig. Die Beziehung zwischen zwei Ländern ist vielfältiger und komplexer als der blosse Handel von Waren. Dass die Schweiz höhere Zölle aufgebrummt bekommt als zum Beispiel die EU und Grossbritannien, ist eine Überraschung. Falls die Zölle tatsächlich so eingeführt würden, dann wäre das für die Schweizer Wirtschaft schädlich. Die Konjunktur­forschungs­stelle der ETH in Zürich rechnet mit einem Rückgang des Bruttoinlandprodukts von bis zu 0.6 Prozent. Entscheidend sei aber, ob die Ankündigungen in dieser Form umgesetzt würden oder ob es Konzessionen geben wird.

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SRF 4 News, 3.4.2025, 16:12 Uhr;brus

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