Während US-Präsident Donald Trump sein Zoll-Programm als Erfolg preist, reagieren die Börsen weltweit mit Verlusten. Am stärksten brachen die Börsenkurse in den USA ein – und zwar so stark, wie seit Jahren nicht mehr an einem Tag. Börsenkorrespondent Jens Korte mit einer Einschätzung der Lage.
SRF News: Wie ist die Situation an den US-Börsen?
Jens Korte: Es ist die extremste Phase seit Ausbruch der Corona-Pandemie im Frühling 2020. So haben gestern allein die «Magnificent Seven», die sieben grossen US-Technologie-Unternehmen, welche die Märkte in den letzten Jahren angetrieben haben, eine Billion Dollar an Wert verloren. Das ist schon extrem. Auf Trumps Zollankündigungen folgte also auf der Stelle das grosse Erwachen an den US-Finanzmärkten.
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Warum schrecken Trumps Zölle die Investoren derart auf?
Bekannt war zwar, dass am 2. April Zölle angekündigt würden. Doch die Höhe der Zölle und die Tatsache, dass kein Land der Welt ungeschoren davonkommt, hat doch für Überraschung gesorgt. Der Republikaner Trump und seine Regierung sollten eigentlich eine wirtschaftsfreundliche Politik betreiben – war erwartet worden.
Viele Ökonomen und Politiker in den USA sind verunsichert.
Doch offensichtlich verfolgt diese Regierung spezielle Pläne, mit der Bereitschaft, sich zumindest zunächst auf Turbulenzen einzulassen. Das verunsichert viele Ökonomen und Politikerinnen in den USA.
Ist das bloss eine erste Schockreaktion oder könnte der Abwärtstrend an den Börsen länger anhalten?
Das ist die grosse Frage. Eine der grossen Investoren-Legenden an der Wallstreet, Bill Gross, sagte: «Was wir hier sehen, ist episch.» Ob er recht hat, wird sich zeigen. Doch es könnte in der Tat etwas Grösseres in Bewegung geraten sein. Und ich gehe nicht davon aus, dass wir schnell in ruhigeres Fahrwasser geraten. Es wird kaum bloss ein eintägiges Beben gewesen sein – wir werden kaum innert kürzester Zeit wieder zur Tagesordnung übergehen.
Das Gespräch führte Raphael Günther.