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Nach Trumps Zollhammer Jens Korte: «Es könnte etwas Grösseres in Bewegung geraten sein»

Während US-Präsident Donald Trump sein Zoll-Programm als Erfolg preist, reagieren die Börsen weltweit mit Verlusten. Am stärksten brachen die Börsenkurse in den USA ein – und zwar so stark, wie seit Jahren nicht mehr an einem Tag. Börsenkorrespondent Jens Korte mit einer Einschätzung der Lage.

Jens Korte

Freier Börsenjournalist

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Jens Korte berichtet von der Wallstreet in New York. Bereits seit 1999 arbeitet er dort für verschiedene Medien, darunter für SRF. Im Jahr 2003 gründete er die Firma nygp – new york german press. Korte hat eine Lehre zum Industriekaufmann abgeschlossen und ein Studium der Volkswirtschaft in Berlin absolviert.

SRF News: Wie ist die Situation an den US-Börsen?

Jens Korte: Es ist die extremste Phase seit Ausbruch der Corona-Pandemie im Frühling 2020. So haben gestern allein die «Magnificent Seven», die sieben grossen US-Technologie-Unternehmen, welche die Märkte in den letzten Jahren angetrieben haben, eine Billion Dollar an Wert verloren. Das ist schon extrem. Auf Trumps Zollankündigungen folgte also auf der Stelle das grosse Erwachen an den US-Finanzmärkten.

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Warum schrecken Trumps Zölle die Investoren derart auf?

Bekannt war zwar, dass am 2. April Zölle angekündigt würden. Doch die Höhe der Zölle und die Tatsache, dass kein Land der Welt ungeschoren davonkommt, hat doch für Überraschung gesorgt. Der Republikaner Trump und seine Regierung sollten eigentlich eine wirtschaftsfreundliche Politik betreiben – war erwartet worden.

Viele Ökonomen und Politiker in den USA sind verunsichert.

Doch offensichtlich verfolgt diese Regierung spezielle Pläne, mit der Bereitschaft, sich zumindest zunächst auf Turbulenzen einzulassen. Das verunsichert viele Ökonomen und Politikerinnen in den USA.

US-Börse erneut auf Talfahrt

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Die Ankündigung von Gegenzöllen auf US-Importe durch China hat den jüngsten Kurseinbruch an den New Yorker Börsen verschärft. Der Dow Jones Industrial sackte nach Börsenbeginn um 15:30 Uhr Schweizer Zeit um weitere 2.6 Prozent auf 39.494 Zähler ab.

Am Vortag war der weltweit bekannteste Aktienindex bereits um 4 Prozent gefallen, nachdem Trump den Zollhammer verhängt hatte. Heute Freitag ist der Dow auf den niedrigsten Stand seit August vergangenen Jahres gefallen. Mit minus gut 5 Prozent droht dem Dow nun die verlustreichste Börsenwoche seit Oktober 2020.

Ist das bloss eine erste Schockreaktion oder könnte der Abwärtstrend an den Börsen länger anhalten?

Das ist die grosse Frage. Eine der grossen Investoren-Legenden an der Wallstreet, Bill Gross, sagte: «Was wir hier sehen, ist episch.» Ob er recht hat, wird sich zeigen. Doch es könnte in der Tat etwas Grösseres in Bewegung geraten sein. Und ich gehe nicht davon aus, dass wir schnell in ruhigeres Fahrwasser geraten. Es wird kaum bloss ein eintägiges Beben gewesen sein – wir werden kaum innert kürzester Zeit wieder zur Tagesordnung übergehen.

Das Gespräch führte Raphael Günther.

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HeuteMorgen, 4.4.2025, 06:00 Uhr ; 

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