Was sind die Gründe für den starken Franken? Wegen der politischen und wirtschaftlichen Stabilität gelte der Schweizer Franken als sicher, sagt Thomas Stucki, Anlagechef bei der St. Galler Kantonalbank. «Wenn es auf der Welt unsicher wird, dann gehen die Leute in den ‹sicheren Hafen› und das ist der Schweizer Franken.» Damit steige die Nachfrage nach dem Franken, jene nach Euro und Dollar sinke dagegen. Das heisst: Der Franken wird teurer gegenüber den anderen Währungen. So gab es für einen Franken am Montag zeitweise 1.0855 Euro. Auch gegenüber dem US-Dollar gewann der Franken an Wert.
Weshalb flüchten Anlegerinnen und Anleger in den Franken? Es gibt verschiedene Gründe für die Unsicherheit der Anlegerinnen und Anleger. Einerseits ist da der Einbruch der Aktienmärkte weltweit. In Japan hat sich die Landeswährung Yen verteuert, was das Geschäft von exportorientierten Unternehmen belastet. In anderen asiatischen Ländern litten Technologieaktien darunter, dass sich die Aussichten mit Blick auf künstliche Intelligenz eintrübten. Andererseits haben vergangene Woche schwache Konjunkturdaten aus den USA die Angst vor einer Rezession geschürt. Ausserdem setzt der Nahostkonflikt die Märkte weiterhin unter Druck.
Wer leidet darunter, dass der Franken stärker geworden ist? «Für die Schweizer Exportwirtschaft ist es eine arge Belastung, wenn der Franken innerhalb von zwei Tagen drei Rappen teurer wird», sagt Thomas Stucki. Für ausländische Kundinnen und Kunden verteuern sich damit Schweizer Produkte. Der Export ist etwa für die Maschinen-, Metall- und Kunststoffindustrie sowie die Pharma- und Uhrenbranche wichtig. Aufmerksam dürfte auch der Tourismus die Situation beobachten, denn mit der Frankenstärke werden Ferien in der Schweiz für ausländische Gäste teurer. Dies dürfte für sie vor allem relevant werden, wenn es um die Planung der nächsten Ferien geht.
Wer profitiert vom starken Franken? «Für diejenigen, die noch in die Ferien gehen wollen, ist der starke Franken eine positive Meldung», sagt Stucki. Mit den aktuellen Wechselkursen erhalten Schweizerinnen und Schweizer pro Franken mehr Euro oder US-Dollar als vorher. Die Ferien dürften also etwas günstiger werden. Von dieser Situation profitieren zudem auch Einkauftouristinnen und -touristen.
Wie könnte es weitergehen? Ökonomen halten es für denkbar, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) zur Schwächung der Landeswährung am Devisenmarkt Fremdwährungen kauft. «In einem Umfeld, in dem die SNB ihre Geldpolitik durch Zinssenkungen lockert, wären Devisenkäufe sinnvoll, und angesichts der Aufwertung des Schweizer Frankens in den vergangenen Tagen würde ich solche Käufe nicht ausschliessen», erklärte UBS-Volkswirt Maxime Botteron. Sie dürften sich aber in Grenzen halten, da die SNB noch Spielraum für weitere Zinssenkungen habe. Eine SNB-Sprecherin lehnte eine Stellungnahme zum Anstieg der Landeswährung ab. Auch äusserte sie sich nicht dazu, ob die Notenbank am Devisenmarkt zur Schwächung des Franken interveniert.