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Ihre Fragen beantwortet 5 wichtige Erkenntnisse zur Mediennutzung bei Kindern

Auf Schulhöfen, in Zügen oder zu Hause ist das Smartphone für viele Kinder und Jugendliche zum ständigen Begleiter geworden. Es dient als Lexikon, Spielkonsole und Tor zur sozialen Welt – gleichzeitig sorgen sich Eltern und Lehrpersonen um Ablenkung, Datenschutz oder die wachsende Abhängigkeit von digitalen Reizen. Fünf wichtige Erkenntnisse zum Thema Medien- und Handynutzung bei Kindern:

Handyverbot an Schulen – sinnvoll?

In der Schweiz herrscht beim Umgang mit Handys in der Schule kein einheitlicher Kurs: Während manche Kantone strikte Regeln fürs Klassenzimmer einführen, setzen andere auf Eigenverantwortung. Laut einer Sotomo-Umfrage wollen vier von fünf Befragten das Handy aus dem Schulalltag verbannen.

Handynutzung im Klassenzimmer
Legende: Ein Handyverbot kennen bereits Länder wie Frankreich und Italien, um die Konzentration im Schulalltag zu fördern. Kritische Stimmen warnen davor, dass Verbote auch davon abhalten könnten, den gesunden Umgang mit digitalen Technologien zu erlernen. Keystone/Christian Beutler

Barbara Getto, Professorin für Medienbildung an der PH Zürich, betont, dass ein Verbot von Handys in Schulen das Risiko berge, den kompetenten Umgang mit Medien zu erschweren. Sie sieht die Schule als wichtigen Ort, um Jugendliche auf die digitalisierte Gesellschaft vorzubereiten, da nicht jedes Elternhaus diese Aufgabe übernehmen könne.

Problematische Mediennutzung zu Hause

Wie können Eltern das Kind weg vom Bildschirm bringen? Christiane Willemeit, Fachperson Medienkompetenz bei Pro Juventute, meint, dass es wichtig sei, problematische Mediennutzung schrittweise zu verändern. Zunächst sollte die Zeit auf den Apps reduziert und gleichzeitig positive Alternativen gefunden werden – wie kreative oder sportliche Aktivitäten. Unterstützung und Motivation durch die Familie seien entscheidend. Es sei hilfreich, genau hinzuschauen, welche Apps besonders problematisch sind, und gegebenenfalls professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Fake News auf Social Media

Ein Thema im Live-Chat war der Umgang mit Fake News auf Social Media. Es sei eine Herausforderung, den Informations- und Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Auf der anderen Seite «bieten solche Kanäle einen Zugang zu den Mediengewohnheiten von Jugendlichen und machen auch Themen wie Politik oder Gesellschaftsfragen für diese Altersgruppe interessant», weiss Judith Mathez, Dozentin für Medienpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Nordwestschweiz. Schulen spielten dabei eine wichtige Rolle, indem sie Medienkompetenz vermitteln und den Schülern beibringen, wie sie verlässliche Informationen erkennen können.

Erkennung und Prävention von Cybermobbing

Die SRF-Community wollte wissen, wie man gegen Cybermobbing vorgehen müsse. Daniel Hürzeler, Dozent für Medien und Informatik an der Pädagogischen Hochschule Bern, erklärt, dass Cybermobbing schwer zu erkennen sei, aber Warnsignale wie Rückzug aus sozialen Kontakten oder Niedergeschlagenheit Hinweise geben können. Präventiv helfe es, im Unterricht einen wertschätzenden Umgang zu fördern und eine vertrauensvolle Beziehung zu den Kindern aufzubauen. Bei bereits stattfindendem Cybermobbing empfiehlt Hürzeler den «No-Blame-Approach».

Der No-Blame-Approach in drei Schritten

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  1. Gespräch mit den Mobbing-Betroffenen suchen, um ihre Sicht zu verstehen und Unterstützung anzubieten.
  2. Bildung einer Unterstützungsgruppe, die sich aus Mitschülerinnen und Mitschülern zusammensetzt – darunter auch Personen, die unbeteiligt oder Teil des Problems waren.
  3. Einzelne Nachgespräche nach zwei bis drei Wochen, um Veränderungen zu beobachten und weitere Schritte einzuleiten.

Fotos, Videos und Datenschutz bei Kindern

Was nicht vergessen gehen dürfe, sei das Thema Privatsphäre. Barbara Getto empfiehlt, private, passwortgeschützte Kanäle für den Austausch von Fotos und Videos zu nutzen, eine bewusste Bildauswahl zu treffen und mit zunehmendem Alter die Einwilligung der Kinder einzuholen. Dies schütze die Persönlichkeitsrechte der Kinder und vermittele ihnen ein Bewusstsein für das Recht am eigenen Bild. Hürzeler ergänzt, dass Kindern das Thema Datenschutz und Privatsphäre durch einfache Vergleiche mit dem Alltag verständlich gemacht werden sollte.

SRF 4 News, 24.02.2025, 16:38 Uhr ; 

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