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Kündigung von NDB-Chef Eine «Lame Duck» an der Spitze des Nachrichtendienstes

Christian Dussey hat seinen Rücktritt eingereicht, bleibt aber noch mehr als ein Jahr im Amt. Er hatte beim NDB keine glückliche Hand.

Christian Dussey sagt es offen: Ihm fehlt die Kraft nach knapp drei Jahren an der Spitze des Nachrichtendienstes (NDB). Es seien Zeiten des Krieges und einer erhöhten Terror-Bedrohung.

Der Druck sei enorm. Das sei ermüdend, sagt der 60-Jährige, der aus der Diplomatie kommend, vor knapp drei Jahren die Leitung des NDB übernommen hatte. Damals galt er sozusagen als Antithese zu seinem Vorgänger, dem militärisch-markigen Jean-Philippe Gaudin.

Umbau des NDB brachte grosse Probleme

Jetzt, im Januar, reichte Dussey bei Verteidigungsministerin Viola Amherd seinen Rücktritt ein. In der gleichen Zeit hatte er die Ergebnisse der neuesten Personalbefragung erhalten. Sie fiel verheerend aus: Die Mitarbeitenden des NDB vertrauen ihrer Chefetage noch weniger als im Jahr zuvor.

Auf einer Skala von 0 bis 100 liegt das Vertrauen bei nur gerade 25 Punkten. «Das berührt mich. Und das gefällt mir nicht», sagt Dussey.

Beim Umbau des NDB war nicht alles perfekt. Das gebe ich zu.
Autor: Christian Dussey Direktor des Nachrichtendienstes des Bundes

Das Vertrauen ist weg nach drei Jahren des Umbaus im NDB. Dussey wollte den Dienst fit machen fürs digitale Zeitalter, kein Stein blieb auf dem anderen. Mitarbeitende reagierten frustriert, viele gingen und die Kantone schlugen Alarm. Aus ihrer Sicht liessen die Leistungen des NDB stark nach.

NDB-Direktor Duessey räumt inzwischen auch Fehler ein. «Es war nicht alles perfekt, das gebe ich zu», sagt er. Zwar sei der Dienst inzwischen stabiler, aber die erhofften Ergebnisse würden noch immer nicht erzielt.

Auch die GPDel ist jetzt gefordert

Mitte-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt begrüsst die Selbstkritik des NDB-Chefs. «Man ist mit dem massiven Umbau ein grosses Risiko eingegangen – vielleicht ein zu grosses Risiko», so der Leiter der Geschäftsprüfungs­delegation von National- und Ständerat GPDel. Das ist die Oberaufsicht über den NDB. «Am Ende liegt die Verantwortung für das Funktionieren seines Dienstes beim Direktor», so Müller-Altermatt weiter.

Wir werden beim NDB jetzt vielleicht noch schärfer hinschauen müssen als bisher schon.
Autor: Stefan Müller-Altermatt Nationalrat der Mitte, Leiter der GPDel, dem NDB-Aufsichtsorgan

Dussey wollte rasch Platz machen für seine Nachfolge, deshalb wollte er innert eines halbes Jahres gehen. Doch Verteidigungsministerin Amherd überzeugte ihn, bis Ende März 2026 zu bleiben.

Das ist ungewöhnlich, denn ein abtretender Nachrichendienst-Chef gilt als geschwächt, als eine Art «lame Duck». Dem Vernehmen nach sorgt das für auch für Diskussionen bei der Aufsicht. GPDel-Präsident Müller-Altermatt sagt es diplomatisch: Sein Gremium wache darüber, dass der Nachrichtendienst wirksam bleibe: «Wir werden jetzt sehr gut hinschauen müssen – vielleicht sogar ein bisschen schärfer, als bisher schon.»

Ein erschöpfter Chef und frustrierte Mitarbeitende – und das zu Zeiten des Umbruchs und erhöhter Terrorgefahr. Auf den Nachfolger von Verteidigungsministerin Amherd wartet beim NDB eine Baustelle.

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Echo der Zeit, 26.2.2025, 18:00 Uhr

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