Darum geht es: Die Teilnehmerländer der UNO-Artenschutzkonferenz COP16 in Rom haben sich nach langer Verhandlung auf eine Finanzierung des Artenschutzes bis zum Jahr 2030 geeinigt. 154 Länder einigten sich auf einen Kompromiss über 200 Milliarden Dollar zum Schutz der Biodiversität.
Der Knackpunkt: Dass Geld fliessen muss und Industrieländer jene des globalen Südens jedes Jahr mit 30 Milliarden Dollar unterstützen müssen, war nicht bestritten. Uneinig waren sich die Länder aber darin, wie das Geld zusammenkommen und verteilt werden soll. Während ärmere, insbesondere afrikanische Länder ultimativ die Schaffung einer neuen Institution forderten, in der sie mehr Mitsprache hätten als in den bestehenden, lehnten die wohlhabenderen Länder, unter ihnen auch die Schweiz, dies vehement ab.
Wenn diese Konferenz gescheitert wäre, dann wäre das ein fatales Signal gewesen.
Darauf hat man sich geeinigt: Die teilnehmenden Länder haben sich darauf geeinigt, wie sie die Umsetzung ihrer Biodiversitätsziele mit vergleichbaren Standards messen wollen – ein konkreter Erfolg, der für den Prozess unerlässlich ist. Weiter wurden für die kommenden Jahre zwei Hauptaktionsbereiche festgelegt: die Beschaffung zusätzlicher Mittel in Milliardenhöhe und die Entscheidung über die Institutionen, die diese Mittel bereitstellen sollen.
Deshalb ist es ein Durchbruch: «Es war allen klar, dass es unabdingbar ist, dass man sich einigt», sagt Friedrich Wolff, Leiter internationale Biodiversitätspolitik bei Pro Natura. Gar für «historisch» hält Wolff die Einigung, weil sich die Staaten auf vielen anderen Bühnen derzeit nicht mehr einigen können. «Wenn diese Konferenz gescheitert wäre, dann wäre das ein fatales Signal gewesen. Es hätten alle verloren: die Nehmerländer, weil die Finanzierung nicht geregelt wird und die Geberländer, weil sie keinen Hebel mehr gehabt hätten, das Rahmenwerk von 2022 umzusetzen.»
Die Grenzen des Möglichen: Momentan ist der Trend in Richtung Artenverlust sehr deutlich. «Systeme sind sehr zäh in der Reaktion», sagt Josef Settele, Agrarforscher am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig und Halle und Mitglied des Weltbiodiversitätsrats. «So etwas umzudrehen geht bei einigen Gruppen wie Insekten, die haben eine schnelle Vermehrung. Bei grossen Säugetieren mit einer Generationenfolge von 20 Jahren kann sich jedoch bis 2030 gar nicht so viel tun.» Es brauche länger – aufgrund der Biologie.
Deshalb ist Skepsis angebracht: «Im Bereich Klima hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass die Gelder relativ zäh fliessen», erklärt SRF-Wirtschaftsredaktor Klaus Amman. «Und wenn, fliessen sie vor allem dort, wo auch ein direkter Gewinn entsteht, also zum Beispiel bei der Finanzierung einer Solaranlage.» Für den Artenschutz gelten aber andere Bedingungen: «Beim Schutz der Biodiversität ist der Gewinn eben oft nicht so direkt sichtbar.»
Die Rolle der Schweiz: Wie alle Länder ist auch die Schweiz angehalten, die Fortschritte beim Schutz der Biodiversität genau zu messen. Auch darüber hat man sich in Rom jetzt geeinigt. «Auf Druck der Schweiz», sagt Amman, denn «die Schweiz ist beim Messen bereits sehr gut, im Schützen dann allerdings deutlich weniger.» Da werde mehr nötig sein. «Auch finanziell werden die aktuell rund 600 Millionen Franken für den Biodiversitätsschutz kaum reichen.» Dabei gelte auch beim Artenschutz – wie beim Klima: «Vorbeugen ist viel günstiger als reparieren, beziehungsweise Schäden beheben.»