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Überschuldet oder bankrott Hohe Schulden belasten arme Länder immer stärker

Die Schuldzinsen erdrücken manche Staaten beinahe – viele davon in Afrika. Betroffen ist etwa Ghana, dessen Ausgaben jetzt vom IWF überwacht werden.

Darum geht es: Viele der ärmsten Länder der Welt werden von ihren Schulden erdrückt, heisst es in einem aktuellen Bericht der UNO. Konkret: Über 50 Länder müssen mehr als zehn Prozent ihrer Einnahmen für Schuldzinsen ausgeben. Betroffen sind auch mehrere afrikanische Länder. Dort ist der Schuldenberg in den letzten Jahren stetig gewachsen und hat inzwischen einen historischen Höchststand erreicht. Fast die Hälfte der afrikanischen Länder ist so hoch verschuldet, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) von einer Notlage spricht.

Die Lage in Afrika ist ernst – mit weitreichenden Folgen.
Autor: Fabian Urech Afrika-Korrespondent von Radio SRF, lebt in Ghana

Stark betroffenes Afrika: Mehrere Länder Afrikas sind inzwischen so hoch verschuldet, dass sie die Zinsen nicht mehr bedienen können. Betroffen ist etwa Sambia: Das Land im Süden des Kontinents musste schon während der Corona-Krise seine Zahlungsunfähigkeit anmelden. Und auch das westafrikanische Ghana konnte 2022 seine Schulden nicht mehr bedienen. «Die Lage in Afrika ist ernst – mit weitreichenden Folgen», sagt SRF-Afrika-Korrespondent Fabian Urech.

Vielfältige Probleme: Die Bandbreite der Probleme der verschuldeten afrikanischen Länder ist ebenso weit, wie der Kontinent gross ist. Manche Staaten wie etwa Botswana verfügen über relativ gesunde Finanzen. Auf der anderen Seite sind jene Länder, die im Grunde bankrott sind, wie Sambia und Ghana. Dazwischen liegt ein weites Feld an Staaten, die zwar nicht alle total überschuldet sind, deren Schuldenentwicklung in den letzten Jahren aber in die falsche Richtung ging.

Die Gründe: Ghana etwa hat vor rund 15 Jahren damit begonnen, auf den internationalen Finanzmärkten hohe Kredite aufzunehmen, hinzu kamen weitere Kredite, etwa von China. So stieg die Verschuldung stark an. Zudem musste das Land teils relativ hohe Zinsen für die Kredite bezahlen. Hinzu kam dann die Pandemie ab Frühjahr 2020, die auch für die afrikanischen Länder einen grossen wirtschaftlichen Rückschlag bedeutete. Und davon haben sich viele Staaten noch immer nicht erholt.

Schwierige Situation in Ghana

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SRF-Afrika-Korrespondent Fabian Urech lebt in Accra, der Hauptstadt von Ghana. Er sagt: «Ghana musste sich vor drei Jahren Hilfe beim IWF holen. Dieser überwacht jetzt die Ausgaben des Staates. Dabei steht wegen der riesigen Schuldenlast immer weniger Geld für Bildung, Gesundheitsversorgung oder öffentliche Infrastruktur zur Verfügung. Das spüren die Menschen in Ghana: Am augenfälligsten sind die vielen angefangenen Strassenbauprojekte, die nur halb fertiggestellt sind, weil die Arbeiten mangels Finanzen abgebrochen werden mussten. Die Bauruinen sind eigentliche Mahnmale der Schuldenkrise. Zudem steht den lokalen Behörden immer weniger Geld zur Verfügung. Eine drastische Folge davon ist etwa, dass in einer Region in der Nähe der Hauptstadt Accra für 250'000 Einwohnerinnen und Einwohner noch eine einzige öffentliche Sekundarschule vorhanden ist.»

Plan ging schief: Vor 15 Jahren wollte man mit den Krediten eine Infrastruktur aufbauen, deren Bau und Nutzen die Wirtschaft im Land ankurbeln sollten. Doch der Plan ging nicht auf: Die Steuereinnahmen für den Staat blieben aus, und damit waren auch die Pläne zunichte, die Kredite durch Aufschwung und Steuern zu bedienen. «Das bringt die Regierungen vieler afrikanischer Länder in Zahlungsschwierigkeiten», so Korrespondent Urech.

SRF 4 News aktuell, 4.4.2025, 7:25 Uhr ; 

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