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Druckversuche aus den USA Die ETH will Trumps Fragebogen ignorieren

Die US-Regierung führt einen Kulturkampf gegen Diversität. Damit kommen Unis weltweit unter Druck – auch die ETH.

In insgesamt 14 Forschungsprojekte an der ETH fliesst Geld aus den USA. Aber nur zu einem hat die Hochschule einen Fragebogen aus Washington erhalten.

Die US-Behörden wollen wissen, ob sich das Projekt mit der Politik von Präsident Trump verträgt. Oder besser: mit seinem Kulturkampf, der sich gegen Minderheitenförderung, Gender- oder Diversitätsprogramme stellt. 

ETH verweigert Auskünfte zum Programm

Welches der 14 Projekte im Visier der USA steht, sagt die ETH nicht. Doch ETH-Sprecher Simon Zogg betont jetzt, dass man den Fragebogen nicht beantworten werde. «Die darin geforderten Informationen stehen in keinem Zusammenhang mit dem betroffenen Projekt.»

Ausserdem sei ein solches Reporting in der wissenschaftlichen Praxis nicht üblich. Welche Folgen der Entscheid der ETH haben könnte, ist offen. Zogg sagt, man habe aus Washington keine Angaben über mögliche Konsequenzen erhalten.

Eine Umfrage bei allen Schweizer Universitäten zeigt: Mehrere Unis erhalten Gelder aus den USA für Forschungsprojekte. So erhält die Universität Bern zum Beispiel Unterstützung im Bereich Weltraumforschung.

Doch bislang hat noch keine andere Schweizer Hochschule einen Fragebogen aus den USA erhalten. Entsprechend entspannt zeigen sich die Hochschulen zurzeit.

Forschende aus den USA wollen dort weg

Möglicherweise profitieren die Schweizer Unis sogar von Trumps Kulturkampf. Denn manche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den USA überlegen sich, wegen des politischen Drucks und Budgetkürzungen wegzuziehen.

Erstmals bestätigen nun Schweizer Hochschulen, dass sie vermehrt von US-Forschenden kontaktiert würden. Entsprechende Berichte kommen aus Genf und Lausanne.

Bei besonders spannenden Bewerbungen aus den USA versuchen wir, das Verfahren zu beschleunigen.
Autor: Emmanuel Barraud Sprecher der Uni Lausanne

Es gebe mehr Bewerbungen von Forscherinnen und Forschern aus den USA, sagt der Sprecher der Uni Lausanne, Emmanuel Barraud. Dabei sei ein Zusammenhang mit der Trump-Politik offensichtlich. Manche Forschende würden das ganz offen sagen. Sie sähen in Europa bessere Perspektiven für ihre Forschung als in den USA.

«Bei besonders spannenden Bewerbungen versuchen wir, das Verfahren zu beschleunigen», so Barraud. Doch bevorzugt gegenüber der Konkurrenz würden US-Forschende nicht. Und es gebe auch kein Programm, um sie gezielt anzulocken.

US-Forschende gezielt in die Schweiz holen?

Genau das fordern jedoch zwölf Ständerätinnen und Ständeräte von links bis rechts. Der Bundesrat solle sich aktiv um US-Forschende bemühen, verlangen sie in einem Vorstoss. Das solle auch mit finanziellen Anreizen geschehen.

Bei Wissenschaftsminister Guy Parmelin dürften sie jedoch kein Gehör finden. Auf Anfrage lassen seine Leute ausrichten, dass ein Rekrutierungsprogramm für US-Forschende nicht geplant sei. Die Schweizer Hochschulen seien auch so attraktiv genug.

 

Rendez-vous, 4.4.2025, 12:30 Uhr;brus

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