Um im Fall einer Krise oder Katastrophe Betroffene zu warnen und zu informieren, um sich ein Bild der Lage zu machen, die nötigen Einsatzkräfte und Fachleute vor Ort zu bringen sowie dadurch Menschen zu schützen oder zu retten – dafür ist Kommunikation unerlässlich.
Das aktuelle Kommunikationssystem Polycom ist in die Jahre gekommen und muss abgelöst werden. Das neue System soll krisenfester werden und während 14 Tagen auch ohne Strom und Netz der Telekomanbieter funktionieren. Zuständig ist das Bundesamt für Bevölkerungsschutz Babs im VBS. Es will auch künftig die Einsatzzentralen von Polizei, Sanität und Feuerwehr mit Bund und Kantonen vernetzen.
Komplexe und aufwendige Projekte
Dafür sind zwei der Babs-Top-Projekte vorgesehen: das sichere Datenverbundnetz SDVN+ und das mobile Sicherheits-Kommunikationssystem MSK – mit eingeplanten Kosten von ein paar Milliarden Franken.
Die Finanzaufsichten von Parlament und Bund begleiten die Projekte bereits kritisch. Sie benennen Verzögerungen und stellen fest, dass die beiden Projekte unterschätzt wurden – zu aufwendig, zu komplex.
Die Sicherheitspolitik hebt den Finger
«Das macht mir schon Sorgen», sagt SP-Sicherheitspolitikerin Priska Seiler Graf, Präsidentin der nationalrätlichen Kommission, und: «Manchmal habe ich das Gefühl, das Babs ist etwas allein (…) mit seinen Projekten.»
Auch in der ständerätlichen Sicherheitspolitischen Kommission sprechen die Mitglieder Risiken von SDVN+ und MSK an. Der Urner FDP-Ständerat Josef Dittli sieht deren Umsetzung zwar nicht gefährdet, doch er will die Risiken im engen Austausch mit den Kantonen besprechen.
Ähnlich sieht es Ratskollege Werner Salzmann, SVP-Sicherheitspolitiker: «Aus heutiger Sicht ist die Ablösung (von Polycom, Anm. SRF) nicht gefährdet.» Auch er spricht von einem komplizierten und teuren System mit offenen Fragen.
Weitere Verzögerungen tunlichst vermeiden
Auf eine rasche Umsetzung drängen die Kantone. Die Co-Präsidentin der KKJPD, Karin Kayser-Frutschi, sagt: «In der heutigen geopolitischen Lage müssen wir unsere Projekte zeitgerecht umsetzen.» Sie stünden in engem Austausch mit dem Bund und hätten sich jüngst auf den weiteren Weg geeinigt.
Das bestätigt auch das Babs auf Anfrage von SRF und schreibt, der gemeinsame Weg brauche zwar mehr Zeit, sei aber in jedem Fall sinnvoller: «Damit die Ablösung von Polycom im Jahr 2035 nicht gefährdet wird, werden voraussichtlich noch dieses Jahr Bund und Kantone gemeinsam ein Vorprojekt MSK starten.» Im Wissen darum, dass beide Projekte noch diverse Hürden nehmen müssen – unter der neuen VBS-Führung von Bundesrat Martin Pfister.